Nordrhein-Westfalen treibt die Digitalisierung im Bauwesen weiter voran: Eine aktuelle Machbarkeitsstudie belegt, dass BIM-gestützte Bauanträge in der Praxis funktionieren und einen spürbaren Mehrwert für Planer, Bauherren und Genehmigungsbehörden bieten. Im Fokus steht dabei die modellbasierte Einreichung von Bauanträgen auf Grundlage strukturierter Gebäudedaten anstelle klassischer Planunterlagen.

Im Rahmen des Projekts „BIM-MRL LBO NRW“ wurde in mehreren Kommunen untersucht, wie digitale Bauwerksmodelle in Genehmigungsverfahren integriert werden können. Wissenschaftlich begleitet wurde die Studie von der Ruhr-Universität Bochum unter Leitung von Prof. Dr. Markus König. Insgesamt neun Bauvorhaben in acht Städten dienten als reale Anwendungsfälle.

Zentraler Bestandteil des Ansatzes ist die Kombination aus Modellierungsrichtlinien, standardisierten Datenstrukturen und digitalen Prüfregeln. Bauanträge werden dabei nicht mehr ausschließlich als Zeichnungen oder PDFs eingereicht, sondern als datenbasierte BIM-Modelle, die automatisiert analysiert und vorgeprüft werden können. Insbesondere wiederkehrende Prüfprozesse – etwa zu Abstandsflächen, Flächenkennwerten oder baurechtlichen Vorgaben – lassen sich so effizienter gestalten.

Wichtig ist jedoch: Die finale Entscheidungshoheit verbleibt weiterhin bei den Genehmigungsbehörden. Die Digitalisierung dient primär der Entlastung, Strukturierung und Beschleunigung der Verfahren – nicht deren vollständiger Automatisierung.

Ein weiterer Baustein ist die geplante Integration der Vorprüfung in das landesweite Bauportal. Über das digitale System sollen künftig modellbasierte Bauanträge eingereicht, geprüft und verwaltet werden. Damit schafft NRW eine Grundlage für durchgängige digitale Prozesse von der Planung bis zur Genehmigung.

Mit dem erfolgreichen Abschluss der Studie positioniert sich Nordrhein-Westfalen bundesweit als Vorreiter im Bereich des digitalen Bauantrags. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die Transformation von planbasierten zu datenbasierten Genehmigungsverfahren ist nicht nur technisch möglich, sondern auch praxisreif.

Einordnung:
Die Einführung BIM-basierter Bauanträge markiert einen entscheidenden Schritt hin zu einer effizienteren und transparenteren Bauverwaltung. Langfristig könnten sich daraus erhebliche Zeit- und Kostenvorteile ergeben – sowohl für öffentliche Stellen als auch für die Bauwirtschaft. Gleichzeitig wird die Grundlage geschaffen, regulatorische Anforderungen zunehmend maschinenlesbar abzubilden und damit die Qualität von Genehmigungsprozessen nachhaltig zu erhöhen.

Quelle: Meilenstein mit bundesweiter Beachtung erreicht: Nordrhein-Westfalen macht Bauordnung digital nutzbar | Land.NRW