Die Bundesregierung will den Bau neuer Gaskraftwerke mit einer Leistung von rund 12 Gigawatt auf den Weg bringen. Begründet wird das mit Versorgungssicherheit bei Dunkelflauten. Das Problem ist nur: Diese Entscheidung ist teuer, rückwärtsgewandt und klimapolitisch ein schwerer Fehler.

Nach dem aktuellen Gesetzentwurf können auf die Stromkunden ab 2031 zusätzliche Kosten von bis zu 3 Milliarden Euro pro Jahr zukommen. Die Kraftwerke sollen also nicht einfach nur gebaut werden — sie müssen dauerhaft bezahlt werden, damit sie überhaupt bereitstehen. Die Finanzierung soll nach den aktuellen Berichten über eine neue Umlage laufen. Am Ende zahlen also Bürger, Familien, Handwerk, Mittelstand und Industrie über den Strompreis.

Dabei sprechen die Alternativen eine klare Sprache: Mit den grob diskutierten Milliardenbeträgen könnte man hunderttausende bis über eine Million Einfamilienhäuser mit Photovoltaik und Speichern ausstatten oder viele neue Windkraftanlagen bauen. Genau diese Investitionen würden dauerhaft sauberen Strom erzeugen, Stromkosten stabilisieren und CO₂ vermeiden. Stattdessen wird wieder Geld in fossile Infrastruktur gelenkt, die nur dann klimaneutral wäre, wenn künftig ausreichend bezahlbarer grüner Wasserstoff verfügbar ist — genau das ist aber bisher keineswegs gesichert.

Besonders bitter ist der Blick auf den Klimaschutz. Das Umweltbundesamt weist für den deutschen Strommix 2025 noch immer CO₂-Emissionen von rund 344 Gramm pro Kilowattstunde aus. Jede zusätzliche Kilowattstunde aus Wind und Sonne senkt diese Emissionen direkt. Neue Gaskraftwerke dagegen sichern zwar Leistung ab, stoßen im Betrieb aber weiterhin CO₂ aus, solange sie mit Erdgas laufen.

Das ist der eigentliche Denkfehler: Versorgungssicherheit ist wichtig — aber sie darf nicht als Vorwand dienen, um die Energiewende künstlich zu bremsen. Wer Milliarden in neue fossile Kraftwerksstrukturen steckt, bindet Kapital, Netzkapazitäten, politische Aufmerksamkeit und technische Planungskraft. Dieses Geld fehlt dann bei Speichern, Netzen, Windkraft, Photovoltaik, Lastmanagement, Quartierslösungen und bezahlbarer Energie für die nächste Generation.

Für die Jugend ist diese Entscheidung besonders bitter. Junge Menschen werden die Folgekosten tragen: höhere Strompreise, spätere Klimaschäden, teurere Anpassungsmaßnahmen und eine Wirtschaft, die zu lange an fossilen Brückentechnologien festgehalten hat. Eine Brücke, die immer weiter verlängert wird, ist irgendwann keine Brücke mehr — sie ist eine Sackgasse.

Natürlich braucht ein modernes Stromsystem steuerbare Leistung. Aber die zentrale Frage lautet: Bauen wir ein zukunftsfähiges System aus erneuerbaren Energien, Speichern, flexiblen Verbrauchern und intelligenter Netzsteuerung — oder subventionieren wir noch einmal alte fossile Denkmuster?

Die Entscheidung für neue Gaskraftwerke ist deshalb nicht nur teuer. Sie ist ein politisches Signal in die falsche Richtung. Sie sagt der jungen Generation: Wir reden über Klimaschutz, aber wenn es ernst wird, investieren wir wieder Milliarden in Gas. Genau das ist das Problem.

Das ist keine Zukunftspolitik. Das ist eine teure fossile Sackgasse auf Kosten unserer Kinder.

Bericht Michael Müller